Leishmaniose-nur im Mittelmeerraum? - Praxis - Treuepfoten

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sil

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Donnerstag, 22. Mai 2008, 20:08

Leishmaniose-nur im Mittelmeerraum?

Diesen Text durfte ich hierreinkopieren mit freundlicher genehmigung von sandra@suedlaendische-hunde.de

Verfasst am: Do Mai 22, 2008 3:06 am Titel: Leishmaniose - nur im Mittelmeerraum?

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Der folgende Beitrag basiert auf einem Vortrag des Parasitologen Dr. rer. nat. Torsten J. Naucke, gehalten am 21.05.05 in der Freizeitstätte Garath, Düsseldorf, auf Einladung von ANIMAL INFO, Tierseminare.

Der gemeinnützige Verein Parasitus Ex e.V. fördert unter dem Vorsitz von Dr. Naucke die Grundlagenforschung in der Vektorbiologie und -ökologie von parasitären, bakteriellen und viralen Erkrankungen bei Haus-, Nutz- und wild lebenden Tieren und informiert über die parasitären Erkrankungen bei diesen Tieren, deren Diagnostik und Bekämpfung.

Quellen und Hintergrundmaterial: www.leishmaniose.de/ und www.parasitus.com/


Reisen bildet ...

Frühstück in Madrid, Mittagessen in Milano und zum Abend ein Glas Wein in Lissabon - kein Problem ... "auch nicht für die Frisur". Reisen bildet --- Reisen, insbesondere mit Hund, sollten aber auch gut durchdacht und vorbereitet werden. Der folgende Artikel soll auf die Infektionskrankheit der Leishmaniose hinweisen und Quellen zum weiteren Studium dieser Erkrankung anbieten.

Leishmaniose wird in Deutschland immer noch als klassische Tropenkrankheit angesehen und daher als reisemedizinisches Problem betrachtet. Dabei wird jedoch vergessen, dass Leishmaniose nicht nur im europäischen Mittelmeerraum vorkommt, sondern sich die Überträger (Sandmücken) inzwischen auch wieder in bestimmten Teilen Deutschlands wohl fühlen (bspw. in den subtropischen Klimazonen des Rheingrabens). Auch die Übertragungsmöglichkeit durch Bissverletzungen infizierter Hunde kann derzeit nicht ausgeschlossen werden.


Die Übeltäter

Sandmücken sind etwa zwei Millimeter kleine sandfarbene Stechmücken, die in allen Anrainerstaaten des Mittelmeeres, sowie in Portugal, in der Schweiz und in Süd-Deutschland und neuerdings auch in Belgien vorkommen. Theoretisch kann man auf Sandmücken bis in die Region um Frankfurt a.M. und entlang des Rheingrabens bis Köln treffen. Nachgewiesen sind Sandmücken allerdings bisher lediglich entlang des Rheingrabens in Baden-Württemberg und in einer Ortschaft in Rheinland-Pfalz. Die tatsächliche nördliche Verbreitungsgrenze in Europa ist derzeit noch unklar, jedoch existiert ein gesicherter Sandmückennachweis von der Insel Jersey (Kanalinsel, England).

Auf der Haut fast unsichtbar, fallen sie dem 'Opfer' durch ihre großen schwarzen Augen auf. Nur die weiblichen Mücken saugen Blut, ohne das ein Heranreifen der Eier nicht möglich wäre. Sandmücken werden etwa 1 Stunde nach Sonnenuntergang bis 1 Stunde vor Sonnenaufgang aktiv, weshalb auch viele Hundebesitzer in südlichen Ländern ihre Tiere zu dieser Zeit ins Haus holen. Für den europäischen Mittelmeerraum sind insgesamt 23 verschiedene Sandmückenarten nachgewiesen, von denen jede einzelne Art ein spezifisches Verhalten zeigt. Vier mediterrane Sandmückenarten saugen sogar an Reptilien oder Vögeln Blut, andere an Kleinnagern oder auch an Fledermäusen. Selbstverständlich wird auch der Mensch als Nahrungsquelle geschätzt, insbesondere wenn er Nachts ruhig in seinem Bett schläft (die Sandmücken sind übrigens so klein - Durchmesser mit angeklappten Flügeln ca. 0,3mm - dass sie mühelos durch ein Moskitonetz schlüpfen können). Etwa fünf Tage nach einem 'Blutmahl' legt das Sandmückenweibchen bis zu 100 Eier auf dem Erdboden ab. Die geschlüpften Mückenlarven ernähren sich von organischem Material und benötigen für ihre Entwicklung eine hohe Bodenfeuchtigkeit. Ein solches Milieu finden sie z.B. in Termitenhügeln, Tierställen, Nagetierbauten oder Komposthaufen. Das Sandmückenweibchen saugt im Laufe seines Lebens mehrfach Blut und kann dann jeweils ein neues Eigelege produzieren. Die Lebenserwartung einer Sandmücke beträgt etwa 40 Tage

Erkrankungen

Unter Leishmaniosen (Sir William Boog Leishman und Charles Donovan entdeckten 1903 in Indien den Leishmania donovani genannten Erreger der Kala-Azar) versteht man parasitäre Erkrankungen von Mensch und Tier, mit einem Krankheitsverlauf bis hin zur tödlich endenden Allgemeinerkrankung. Bei der kutanen Leishmaniose ist nur die Haut betroffen; an der Eintrittsstelle entwickelt sich ein schmerzloses Geschwür, das in der Regel unter Narbenbildung abheilt und oft keine Behandlung erfordert. Bei der mukokutanen Leishmaniose sind in erster Linie die Schleimhäute betroffen, wobei sich die Parasiten vor allem entlang der inneren Atemwege ausbreiten und dort Geschwüre bzw. Verstümmelungen verursachen können.

Die Leishmaniose-Symptome beim Hund

Die Anzeichen für eine Leishmaniose beim Hund variieren in Abhängigkeit des Erregerstamms, der Konstitution des Hundes und der örtlichen Gegebenheiten sehr stark. Als erste Hilfestellung hat Dr. T. J. Naucke die folgende Liste zusammengestellt. Beobachten/Untersuchen Sie Ihren Hund nach dem Besuch leishmaniose-gefährdeter Gebiete auf folgende Symptome:

Durchfall, Lahmheit, allgemeine Trägheit, Appetitlosigkeit, schleichender Gewichtsverlust erste, sehr unspezifische Symptome
'Ausfransen' der Ohren ... leichtes und mehrfaches Einreißen der Ohrränder. Einige mediterrane Bauern kennen diese Symptomatik, deuten dieses jedoch damit, dass irgendwelche Fliegen die Ohrränder angebissen haben. Begleitet ist dieses Einreißen der Ohrränder häufig mit Schuppenbildung, erst auf den Ohren, dann auch am Kopf, und schließlich am gesamten Körper.
Hautverletzungen (Läsionen)

... häufigstes klinisches Erscheinungsbild, aber auch sehr variabel. Offene kleine Hautwunden (Ulcera) finden sich an der Innenseite der Ohren. Diese Wunden sind meist kreisrund, und verheilen schlecht. Hunde aus Griechenland haben häufig trockene Verkrustungen am Kopf, Hunde aus Süd-Spanien eher offene Wunden an den Beinen, besonders im Bereich der Gelenke, aber auch an den Pfoten. Völlig unverkrustete Läsionen an der Nase haben spanische Hunde. Auch Eiterpusteln, verteilt über den ganzen Körper, können auftreten.


Als Folge der Läsionen parallel oder unabhängig davon, kommt es zu Haarausfall. An den Hinterbeinen fallen Haare auch büschelweise aus, häufig bei Hunden aus Spanien und Italien. Ein nahezu völliger Haarausfall ist bei griechischen Hunden zu beobachten. Bei spanischen und italienischen Hunden wiederum ist eine sog. 'Brillenbildung', ein Haarausfall um die Augen herum, signifikant.

Verkümmerung Bei einigen Fällen fällt eine Verkümmerung der Gesichtsmuskulatur auf. Schaut man dem Hund von vorn über die Augen auf den Kopf, oder streicht man über die Kopfmuskulatur, so fällt eine Ungleichheit der beiden grossen Kopfmuskeln auf.
Lokale und/oder generalisierte Lymphknotenschwellung Es sind meist einige oder mehrere Lymphknoten angeschwollen. Der Lymphonodus poplitheus (Kniekehllymphknoten) ist häufig gut tastbar vergrössert.
Augenläsionen Die Augenläsionen variieren sehr stark. Die Häufigste ist die Blephartitis (Entzündung der Augenlider) in Zusammenhang mit Facial dermatitis (Hautläsionen im Gesicht). Häufig beobachtet man auch bilaterale Keratoconjunctivitis (Entzündung von Hornhaut und Bindehaut in beiden Augen gleichzeitig). Bei einigen Hunden kann man auch bilaterale Uveitis (Entzündung der inneren Augenstrukturen, Iris, in beiden Augen gleichzeitig) beobachten, häufig assoziiert mit einem Corneal Oedema (Hornhautödem) und der Gestaltung einer Synechiae (Verklebung der Iris mit der Netzhaut oder der Linse).
Letztlich können Granulome (Entzündungsherde, die zu einer Ansammlung von bestimmten Zellen führen) die Folge einer schweren Uveitis sein.
Nasenbluten Etwa 5 - 10% der Leishmaniose-infizierten Hunde leiden unter Nasenbluten. Besonders häufig sind Schäferhunde, bzw. deren Mischlinge betroffen. Die Ursache dieses Nasenblutens ist bislang noch nicht geklärt. Es ist jedoch anzunehmen, dass diese Epistaxis von der durch Entzündung und Hautläsionen angegriffenen Nasal mucosa (Nasenschleimhaut) hervorgerufen wird.
Blutarmut, Anämie Im Blutbild ist häufig ein niedriger Hämatokrit (prozentualer Anteil an Erythrozyten) und Hämoglobin-Anteil auffällig
Nierenversagen Die Leishmanien, wie auch eine Vielzahl der Medikamente, die zur Therapie einer Leishmaniose eingesetzt werden, schädigen die Nieren. Ein im Krankheitsverlauf fortschreitendes Nierenversagen ist daher häufig die Todesursache Leishmaniose-infizierter Hunde !

Behandlung

Vorbeugen ist besser als ... diese Weisheit gilt insbesondere für den Schutz vor Sandmücken, da eine Infektion nicht immer sofort erkannt wird und die Therapie sehr langfristig und kompliziert ist. Kann der Besuch subtropischer Bereiche nicht außerhalb der aktiven Zeiten der Sandmücken (Mai-Sept) gelegt werden, so sollten

Hunde in den Nachtstunden besser im geschlossenen Haus verbleiben,

Wohnmobile/Wohnwagen über Nacht nicht in Hanglagen oder gar auf einem Hügel abgestellt werden (Sandfliegen nutzen die Abendthermik und treiben daher mit dem aufwärtsgerichteten Warmluftbewegung in die Höhenlagen),

Fahrzeuge nicht unbedingt unter Bäumen und Büschen abgestellt werden (Sandmücken lieben die Ausscheidungen der Blattläuse und werden dadurch magisch angezogen),

Hunde nicht in alten, feucht-moderigen Gemäuern herumstöbern.

Vielreisende sollten regelmäßig das Blut ihrer Vierbeiner auch auf Leishmaniosen untersuchen lassen.

Leider kann derzeit noch keine vorbeugende Impfung empfohlen werden.

Zur eigentlichen Behandlung muss vorausgeschickt werden, dass Leishmaniose nicht gleich Leishmaniose ist und zunächst der tatsächliche Erregertyp identifiziert werden sollte. Auch mit der Verharmlosung, dass Leishmaniose mit ein paar Tabletten täglich "geheilt" werden kann, sollte aufgeräumt werden - sie gehört in den Bereich der Fabeln.

Dagegen ist festzustellen, dass eine unbehandelte Leishmaniose für Hunde i.d.R. tödlich verläuft und dass eine Behandlung nach einer genauen Ursachenfeststellung eine längerfristige und belastende Chemotherapie mit Injektionen und Infusionen erfordert. Nach einer derartigen Therapie ist eine Heilung in wenigen Fällen bekannt, aber nicht die Regel.

"Der Normalfall ist derzeit, dass man bei frühzeitiger Erkennung vielen Hunden nach genauer Diagnostik und nachfolgender, speziell abgestimmter Therapien für einige Zeit, manchmal auch für Jahre, ein erträgliches Leben bieten kann" (siehe: Ihr Traumhund aus dem Süden - eine Information der Leishmaniose-Selbsthilfegruppe und des Vereins Parasitus Ex e.V.).

Zusammenfassung

Es gibt Sandmücken in Deutschland - also müssen wir auch mit Leishmaniosen rechnen.

Auch wenn der Parasit hauptsächlich in der Mittelmeerregion heimisch ist, darf die Gefahr einer Übertragung durch Urlaubsrückkehrer, durch die nordwärtsgerichtete Verbreitung der Sandmücke oder durch nach Deutschland "gerettete Straßenhunde" nicht unterschätzt werden.

Da es derzeit noch keine wirksame Schutzimpfung gibt, sollten Hunde, die sich regelmäßig in Leishmaniose gefährdeten Gebieten aufhalten unbedingt auch regelmäßig untersucht werden (Blutkontrolle).

Durch das Auftreten offener Hautläsionen bei infizierten Tieren kann die Gefahr der Übertragung auf Menschen nicht ausgeschlossen werden.
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Das das Wort Tierschutz einmal erfunden werden musste,
ist wohl eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Gesellschaft
silvia und pointernase von denia-dogs-team

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Sunnynelly59« (6. Juni 2018, 00:06)
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